5 smarte Fakten über Erneuerbare Energien im Stromsektor

Hand auf’s Herz: Wissen Sie, welche die günstigste regenerative Technologie ist? Oder wie schnell der Ausbau der Erneuerbaren Energien vorangeht? Kein Wunder, die Welt der Erneuerbaren ist in ständiger Bewegung und steckt voller neuer Entwicklungen. Nicht zuletzt hängt unsere Zukunft von ihnen ab. Welchen wichtigen Impact Solarpanels, Windkraft & Co auf die Energiewende leisten, zeigen diese fünf smarten Fakten  – und sie liefern Ihnen die richtigen Antworten für die nächste Diskussionsrunde.

von Veronika Hackl | Lesezeit 10 Minuten

1. Erneuerbare Energien sind Klimaschützer Nummer 1.

Der Umstieg auf Erneuerbare Energieträger nimmt eine Schlüsselrolle in der Bekämpfung des Klimawandels ein. Fossile Energieträger, wie Kohle, Gas und Öl, zählen zu den Hauptverursachern von Treibhausgasen – dem Klimakiller schlechthin. Erneuerbare Energien verursachen hingegen kaum CO2. Die Rechnung ist also ganz einfach: Je mehr Energie aus Sonne, Wind und Co. gewonnen wird, desto mehr Treibhausgase werden eingespart und desto langsamer schreitet die Erderwärmung voran. Erneuerbare Energien sind im Kampf gegen den Klimawandel entscheidend – denn sie ersetzen fossile Brennstoffe.

Wimpel Save Planet Earth an einer Brücke in der Natur
Klimaschädliche Treibhausgase können durch die Nutzung Erneuerbarer Energien vermieden werden.

 

Soweit die Theorie. Doch wie sieht die Praxis aus?

Die aktuelle Ausbau-Geschwindigkeit der Erneuerbaren Energien ist nicht annähernd hoch genug, um die Energiewende zu schaffen und das 2-Grad-Ziel zu erreichen. Deutschland hat zwar im Juni 2021 die Klimaschutzziele verschärft und will bis 2030 die CO2-Emissionen gegenüber 1990 um 65 % senken. Dieses Ziel existiert bisher aber nur auf dem Papier. Der Blick auf die Realität ist ernüchternd. Die Treibhausgasemissionen in Deutschland im Jahr 2021 stiegen auf insgesamt 772 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente. 2020 lag der Wert nach Berechnungen des Umweltbundesamtes (Stand März 2021) noch bei rund 739 Millionen Tonnen. Das ist ein Anstieg um ca. 4 Prozent. Die Ursache dafür ist vor allem auf einen wieder erhöhten Energieverbrauch (im Vergleich zu 2020) zurückzuführen. Nun müssen ab 2022 jährlich 37 Mio. Tonnen CO2-Äquvivalente eingespart werden, um die Klimaziele zu erreichen.

Die Zeit drängt also. Die Anstrengungen müssen vervielfacht werden, um die deutschen Klimaschutzziele zu erreichen, wie auch die Studie „Wege zu einem klimaneutralen Energiesystem 2050“ des Fraunhofer-Institut für solare Energiesysteme (ISE) belegt. Im Vergleich zu heute wird eine 2,9 bis 3,8 Mal höhere Leistung an Photovoltaikanlagen und eine 2,1 bis 2,3 Mal höhere Leistung an Wind Onshore- und Offshore Anlagen benötigt, um die Zielverschärfung zu erreichen.

Kurzum: Der Zubau von Erneuerbare Energien-Anlagen muss an Fahrt aufnehmen, wenn die Ziele eingehalten werden sollen.

2. Ökostrom wird zur wichtigsten Säule unserer Stromproduktion

Mit der Kraft der Sonne, Wind, Wasser und Biomasse wurden insgesamt 250, 2 Mrd. kWh Strom erzeugt. Das sind nicht nur etwa 10 Mrd. kWh mehr als im Vorjahr, sondern mit diesem Ergebnis übertraf die Stromerzeugung aus Erneuerbaren Energien zum ersten Mal die aus fossilen Energieträgern, wie Erdgas, Öl und Kohle.

Leider konnte dieser Trend 2021 nicht fortgesetzt werden. Auf Basis vorliegender Daten schätzt die Geschäftsstelle der Arbeitsgruppe Erneuerbare Energien-Statistik (AGEE-Stat) am Umweltbundesamt (UBA), dass Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien im Gesamtjahr 2021 bei etwa 237 Milliarden Kilowattstunden (Mrd. kWh) liegt. Dies entspricht einem Rückgang um etwa fünf Prozent gegenüber dem Vorjahr (250 Mrd. kWh).

 

 

Immerhin, die Politik hat für die Zukunft ambitionierte Pläne: 80 Prozent des Stroms in Deutschland soll bis 2030 aus Erneuerbaren Energien stammen. Das geht aus dem Koalitionsvertrag zwischen SPD, FDP und Bündnis90/Grünen hervor.

Es bleibt zu hoffen, dass das Jahr 2020 nicht nur ein Strohfeuer war, sondern die Bilanz in Zukunft häufiger zugunsten der Erneuerbaren ausschlägt.

3. Nichts ist günstiger als Erneuerbare-Energien-Anlagen.

Was bis vor ein paar Jahren noch unmöglich erschien, ist jetzt passiert: Solar -und Windkraft (Onshore) erzeugen günstiger Strom als jede andere Technologieform. Vor allem die Solarenergie hat eine enorme Aufholjagd hingelegt. Noch zu Beginn der Förderung durch das EEG, welches erstmals im Jahr 2000 in Kraft getreten ist, spielte sie im Strommix praktisch keine Rolle. Heute gehört die Photovoltaik aufgrund von technologischen Entwicklungen und Kostensenkungen zu den günstigsten Erneuerbaren-Energien-Anlagen.

Mensch im Schatten hält Sonnenscheibe in den Händen
Photovoltaik ist die günstigste Energiequelle.

Laut dem Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE liegen aktuell die Stromgestehungskosten für PV-Anlagen – je nach Anlagentyp und Sonneneinstrahlung – zwischen 3,12 und 11,01 €Cent/kWh liegen. Potenzielle neue konventionelle Kraftwerke hingegen kämen in Deutschland unter Berücksichtigung von höheren CO2-Kosten nicht unter Stromgestehungskosten von 7,5 €Cent/kWh. Windenergie Onshore belegt beim Rennen um die günstigste Erzeugungstechnologie den zweiten Platz. Hier sinken die Anlagekosten, was zu Gestehungskosten von nur noch 3,94 bis 8,29 €Cent /kWh führt.

Und der Trend der Kostenreduktion geht weiter: Das ISE prognostiziert ab dem Jahr 2024 Stromgestehungskosten für alle PV-Anlagen (ohne Batteriespeicher) unter 10 €Cent/kWh.

Eine enorme Entwicklung, die Mut macht, für die kommenden, großen Aufgaben in der Energiewende.

4. Fakt: Ohne Windkraft herrscht Flaute in der Energiewende.

Sie polarisiert am meisten, aber Windenergie ist die mit Abstand wichtigste regenerative Stromquelle. Im Jahr 2021 wurden mit ihr 118 Mrd. kWh Strom erzeugt. Im Vergleich zum Vorjahr ist das ein Rückgang um 14 kwH (Ertrag 2020 132,1 Mrd. kWh). Dennoch steuert sie damit fast die Hälfte des gesamten erneuerbaren Stroms in Deutschland bei.

Leider suggerieren die Zahlen nur einen Aufwärtstrend. Denn der Ausbau der Windkraft kam seit 2018 praktisch zum Erliegen. Die Gründe dafür liegen u.a. in langen, erschwerten Genehmigungsverfahren, Klagen, Akzeptanzproblemen und fehlenden Flächen. Die absoluten Tiefpunkte seit 2000 für den Zubau mit Windkraft waren die Jahre 2008 und 2010. Die neu installierte Leistung im Jahr 2021 liegt voraussichtlich zwar etwas über dem sehr schwachen Vorjahr, ist mit insgesamt 1.925 MW bzw. 484 Anlagen weiterhin sehr niedrig. Im für die Energiewende essenziell wichtigen Offshore-Bereich wurde keine einzige Anlage neu in Betrieb genommen.

 

Besonders zäh ist die Situation in Bayern. In den ersten drei Quartalen 2021 wurde seit Einführung der 10-H-Abstandsregel nicht ein neuer Genehmigungsantrag mehr für Windräder gestellt. Insgesamt wurden nur acht Windräder in Betrieb genommen, zeitgleich gingen zwei andere vom Netz.

Höchste Zeit also, das Potenzial der Windenergie endlich voll auszuschöpfen.

5. Fakt: Erneuerbare Energien sind der klare Publikumsliebling

83 Prozent der Bürger*innen wünschen sich einen Ausbau der Erneuerbaren Energien. Das ist das Ergebnis der aktuellen Akzeptanzumfrage der Agentur für Erneuerbare Energien (AEE) (Stand November 2021), die vom Meinungsforschungsinstitut YouGov durchgeführt wurde.

 

Und nicht nur das: Je mehr Erfahrungswerte die Befragten in ihrer eigenen Lebenswelt mit Erneuerbaren haben, desto höher ist die Zustimmung für eine Erneuerbare Energien-Anlage in der Nähe des Wohnortes. So gaben z. B. 72 % der Befragten an, Solarparks gut bzw. sehr gut zu finden, wenn sie Anlagen bereits aus ihrer Nachbarschaft kennen. Bei Windenergieanlagen liegt die Zustimmung bei 51 %, bei Solardächern sogar bei 90 %.

 

 

Die große Akzeptanz ist auch ein klares Signal an die Ampel-Koalition, die Energiewende in allen Sektoren voranzutreiben und das Potenzial der Erneuerbaren voll auszuschöpfen. Denn zwar stammte die Hälfte unserer Energie im Bereich Strom aus regenerativen Quellen, in den Bereichen Wärme und Verkehr besteht aber noch großer Nachholbedarf.

Der Koalitionsvertrag sieht z. B. vor, den dezentralen Ausbau der Erneuerbaren zu stärken, Planungs- und Genehmigungsverfahren zu beschleunigen oder alle geeigneten Dachflächen künftig für Solarenergie zu nutzen.

Hand auf’s Herz: War Ihnen klar, welches Potenzial die Kraft der Sonne birgt oder wie entscheidend ein Windrad sein kann?

Jetzt kennen Sie nicht nur handfeste Zahlen zum Thema Energiewende. Sie wissen auch, wie dringend der Ausbau der Erneuerbaren nötig ist. Falls Sie jetzt noch Argumente für die Windenergie benötigen, oder weil Sie selbst Bedenken gegenüber Windrädern haben, schauen Sie doch mal hier rein: Windenergie und Artenschutz – ein Widerspruch?

Quellen
Umweltbundesamt, Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz, Bayerisches Staatsministerium für Wirtschaft, Landesentwicklung und Energie, Agentur für Erneuerbare Energien, Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE, Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit, Agora Energiewende, bundesregierung.de, br.de

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