Batteriespeicher – Fluch oder Segen für die große Transformation?

Niemand mit Sinn und Verstand zweifelt daran, dass Ökostrom uns bis 2030 buchstäblich das Leben gerettet haben wird. Er ist der einzige Energieträger, der an nahezu jedem Ort der Welt in unbegrenzter Menge ohne CO2-Emissionen erzeugt und in allen Lebensbereichen verwendet werden kann. Ökostrom sichert unser Lebensmodell und unsere Lebensgrundlage. Ökostrom ist der Klimakrisenbesieger. Doch die natürliche Fluktuation in der Erneuerbaren Energieerzeugung ist eine große Herausforderung. Wie können wir es schaffen, Ökostrom zu jeder Zeit an jedem Ort in ausreichender Menge verfügbar zu machen? Hybridkraftwerke, also die Kombination von Erzeugung und Speicherung, sind technologisch machbar und zunehmend wirtschaftlich attraktiv. Doch gerade Batteriespeicher werden wegen des Lithium-Abbaus gerne als Grund genannt, warum eine Transformation im Energie- und Mobilitätssektor nicht nachhaltig möglich sei. Aber stimmt das überhaupt?

Es ist wichtig zu verstehen, dass Ökostrom als universelle Energiequelle im Kampf gegen die Klimakrise nur dann die derzeit gerne zitierte ‚Bazooka‘ sein kann, wenn wir es schaffen Erzeugung und Verbrauch auszubalancieren. Anders als bei grundlastfähigen Kohle- und Kernkraftwerken schwankt die Energieproduktion von Erneuerbaren-Energien-Anlagen je nach Wetterlage, die schiere Produktionsmenge ist nicht das Problem. Ökostrom gibt es in Hülle und Fülle, das haben auch die ewig Gestrigen verstanden. Eine der großen Aufgaben unserer Zeit ist es hingegen, die die durch Sonne und Wind verursachten Schwankungen intelligent zu managen. Wem das gelingt, winken satte Gewinne und der Dank einer naturkatastrophengeplagten Weltbevölkerung. Hybridkraftwerke, die Speichertechnologien auf Basis von Batterien oder Wasserstoff mit regenerativen Kraftwerken verbinden, gehört die Zukunft.

Gerade Batteriespeicher sind aufgrund ihres Technologievorsprungs und ihrer Verbreitung ein zentraler Baustein einer Nullemissionsstrategie. Sie ermöglichen die kosteneffiziente Dekarbonisierung des Mobilitätssektors, machen Ökostrom rund um die Uhr an jedem Ort der Welt verfügbar und leisten durch Reservekapazitäten, Frequenzstabilisierung und Schwarzstartfähigkeit einen wichtigen Beitrag zu einer sicheren Energieversorgung. Die Kosten von Batterietechnologie sind laut der Internationalen Erneuerbaren Energieagentur IRENA in der letzten Dekade um 90% von 1.100 auf aktuell 137 US-Dollar pro Kilowattstunde gesunken, bis 2030 ist ein Kostenniveau von 60 US-Doller/kWh möglich. Ökostrom zu erzeugen und speichern steht bereits heute an der Schwelle zur Kostenparität konventioneller Energieerzeugung. Auch die Produktionskapazitäten von Batteriespeichern haben mit 180 GWh pro Jahr ein beachtliches Niveau erreicht, bis 2030 werden jährlich Batterien mit 3 Terawattstunden Speicherkapazität hergestellt werden. Mit zunehmender Energiedichte und massiv verkürzten Ladezeiten werden Lithium-Ionen-Speichersysteme auch für Langzeitspeicher sowie als Antriebstechnologie im Flug- und Schiffssektor im kommenden Jahrzehnt wettbewerbsfähig werden. Ohne Batteriespeicher keine Klimaneutralität, soviel kann man sagen.

 

Mann in S/W vor grünem Hintergrund mit Header

Doch so einfach ist es nicht mit der Weltrettung. Reden wir nicht lange drum rum, der Lithium-Abbau ist ein Problem. Man kann darüber geteilter Meinung sein, fakt ist, dass der Rohstoffluch Südamerikas mit der Plünderung der Bodenschätze mit Gold und Silber im 16. Jahrhundert durch die Konquistadoren begann und sich im 21. Jahrhundert nicht durch den Abbau von Lithium wiederholen sollte. Denn mit die größten Lithium-Vorkommen befinden sich abgesehen von Reserven in Australien und China im Lithium-Dreieck auf Staatsgebiet von Chile, Bolivien und Argentinien. Die Batterieproduktion hingegen findet maßgeblich in Asien, zukünftig vermehrt auch in den USA und Europa statt. Dort werden auch die Gewinne erwirtschaftet, die Umweltschäden, die durch die Gewinnung des leichtesten Metalls der Welt verursacht werden, verbleiben am Ort der Exploration.

Es wäre schäbig und zu kurz gesprungen, wenn wir im Kampf gegen die Klimakrise alle Mittel zu deren Bekämpfung heiligen würden. Kurzes Schulterzucken, halt noch ein Kollateralschaden, was soll`s. Hauptsache überlebt. So geht es nicht. Die Auswirkungen auf Mensch und Umwelt sind zu gravierend, sinkende Grundwasserpegel, der Einsatz von Chemikalien und die Zerstörung des Lebensraums indigener Gemeinschaften sind nur einige davon.

Dabei gibt es Lösungsansätze wie alternative Verfahren zur Gewinnung von Lithium. Statt der Verdunstung kann Lithium mittels Nanotechnologie aus der Sole extrahiert und das Restwasser in den Untergrund zurückgeführt werden, ein Absinken des Grundwasserspiegels wird dadurch vermieden, Trinkwasserreserven bleiben erhalten. Die Transparenz von Lieferketten, der Verbleib von Wertschöpfung in den Abbauländern und die verbindliche Einhaltung von ökologischen und sozialen Standards müssen erzwungen werden. Auch die Verwendung alternativer Wertstoffe wie Natrium und Silizium, die Lithium ersetzen könnten, müssen weiter erforscht werden. Der ressourcenschonende Umgang und das Recycling wertvoller Rohstoffe sowie die Maximierung des Produktlebenszyklus von Batterien sollten selbstverständlich sein.

Die Nachhaltige Herstellung von batteriebasierten Speichertechnologien steht und fällt mit gesetzlichen Standards. Lithiumverarbeitende Unternehmen müssen an ihrem Sitz, und damit hierzulande, gesetzlich zum Nachweis der Einhaltung von Umweltstandards und ressourcenschonenden Fördertechnologien in den rohstofffördernden Ländern sowie zur Einführung eines wirksamen Recyclingsystems verpflichtet werden. Nur so ist der Kampf gegen die Klimakrise ohne unnötige Verluste zu gewinnen.

 

Quellen:

Ökoinstitut e.V., Ökologische und sozio-ökonomische Herausforderungen in Batterie-Lieferketten: Graphit und Lithium, 2020

IRENA, World Energy Transitions Outlook, 1,5° C Pathway, 2021