Die Zukunft wird aus grünem Strom und Tatendrang gemacht!

Stellen wir uns vor, es gäbe einen Stoff, der einen signifikanten Teil der Probleme unserer kohlenstoffbasierten Zivilisation lösen würde. Ein Wirkstoff, der die ungezügelte Emission von Kohlendioxid stoppt. Ein Element, das die Klimakrise und ihre Symptome beherrschbar macht. Ein Mittel, das die Hauptursache unseres globalen Umweltnotstands effektiv bekämpft. Ein Medium, das überall herstellbar, noch dazu billig und in unendlicher Fülle vorhanden ist. Würden wir im Angesicht eines kollabierenden Ökosystems und dem drohenden Verlust unseres Habitats nicht alles dafür tun, diesen entscheidenden Wirkstoff zu produzieren? Ein Essay über die transformative Kraft von Ökostrom.

von Martin Betzold | Lesezeit 6 Minuten

In dem Moment, in dem der Astronaut William Anders während des Fluges von Apollo 8 am 24. Dezember 1968 mit ‚Earthrise‘ das ikonische erste Foto unseres Planten aus dem Orbit schoss, wurde uns bewusst, dass die Erde der einzige Ort ist, der sich der Menschheit als Lebensraum in einem sonst unwirtlichen Universum bietet. Diese Erkenntnis schuf ein kollektives Bewusstsein für die Fragilität unseres Ökosystems und führte zur Entstehung einer globalen Umweltbewegung, deren Ursprung die Weltumweltkonferenz der Vereinten Nationen (UNCHE) im Juni 1972 war. Zahlreiche internationale Umweltabkommen wurden in den letzten 50 Jahren zum Erhalt unserer Lebensgrundlagen verabschiedet, als letzter Meilenstein das Weltklimaabkommen von Paris 2015.

Don't blow it - good planets are hard to find

(TIME Magazine, 1996)

Doch die Wucht des technologischen Fortschritts, einer beispiellosen wirtschaftlichen Entwicklung und eines exponentiellen Bevölkerungswachstums von 4 auf 8 Milliarden Menschen in diesem Zeitraum haben die Welt trotz aller Bemühungen an einen kritischen Punkt geführt.

Ein Wirtschaftssystem, das auf grenzenlosem Wachstum fußt, wird zum ökologischen und klimatischen Kollaps führen. Zu diesem Schluss kommt der im Februar 2021 erschienene Bericht ‚Dasgupta-Review – The Economics of Biodiversity‘, der versucht den Wert einer intakten Natur wirtschaftswissenschaftlich zu unterfüttern.
„Die Erde erlebt das sechste Massenaussterben ihrer Geschichte, einen bedrohlichen Verlust von Lebewesen, Ökosystemen, Wildnis und natürlicher Schönheit. Schuld ist der Mensch. Er vernichtet, was ihn ernährt, was ihm Schutz bietet, was ihn inspiriert – kurz: Was ihn am Leben erhält.“

Anders gesagt: Wenn wir unsere Anstrengungen nicht massiv und mit sofortiger Wirkung steigern, droht uns in nicht allzu ferner Zukunft der Kollaps unserer Biosphäre, alles andere ist Augenwischerei.

Die Lösung der Klimakrise hat einen Namen: Ökostrom.

Heute wissen wir mit absoluter Sicherheit, dass die Klimaerwärmung unseren Planten im schlimmsten Fall in großen Teilen unbewohnbar machen wird. Doch wir wissen auch, was zu tun ist, um dieses Szenario abzuwenden. Wir müssen es schaffen, unsere Abhängigkeit von Kohlenstoffen radikal zu reduzieren. Was es braucht ist ein Ersatzprodukt, das uns weiterhin mit der Energie versorgt, die wir benötigen. Diese Alternative zu Kohle, Öl und Gas gibt es bereits: Ökostrom. Der Großteil aller globalen Klimagasemissionen durch die energetische Verbrennung fossiler Rohstoffe verursacht, in Deutschland sind diese für 80% des CO2-Ausstoßes verantwortlich. Der Ökostromausbau ist folglich die alles entscheidende Klimaschutzmaßnahme, der Wirkstoff gegen die Klimakrise, um im Bild zu bleiben. Bis 2035 müssen allein in Deutschland Ökostromanlagen mit mehreren hundert Gigawatt Leistung gebaut werden, das sind tausende Windkraft- und Solaranlagen, daran gibt es keinen Zweifel.

Wenn wir die Erderwärmung auf rund zwei Grad begrenzen wollen, bleibt uns nur noch sehr wenig Zeit. Unser heutiges Handeln bestimmt über die Lebensgrundlagen der Zukunft. Der Ökostromausbau ist dabei die alles entscheidende Klimaschutzmaßnahme.

Viele von uns mögen sich im Angesicht der Klimakrise klein und hilflos fühlen, das ist verständlich. Was kann ich selbst schon tun? Auch auf diese Frage gibt es eine eindeutige Antwort. Sehr viel! Die Weltgemeinschaft kommt nicht in die Gänge, die EU-Kommission hat andere Sorgen, die Bundesregierung war in der Ära Merkel unfähig, die gesetzlichen Voraussetzungen für einen beschleunigten Ökostromausbau geschweige denn die Transformation zu einem strombasierten Mobilitätssystem zu schaffen. Geschenkt, denn wir haben die Energie- und Verkehrswende trotzdem allem selbst in der Hand.

Der Umstieg auf 100% Erneuerbare Energien ist möglich

Die Zukunft wird aus Ökostrom und Tatendrang gemacht. Das bei Green City schon vor über 20 Jahren so, als wir gegen jeden Widerstand den damals weltgrößten Bürgersolarpark mit 196 kWp in Betrieb genommen und mit unserer Community finanziert haben. Und das ist auch heute noch so. In der Zwischenzeit haben wir unsere Wirkungsmacht potenziert und eine Gigawatt-Streitmacht zur Bekämpfung der Klimakrise aufgestellt. Diese besteht aus dutzenden großen Solar- und Windkraftwerken, die wir in Planung haben und in den nächsten Jahren bauen werden. Was es jetzt braucht, sind handlungsfähige Organisationen, die den Energiewandel umsetzen wollen und können.

Die Green City AG ist ein solcher Akteur. Wir haben in den letzten 16 Jahren die Grundlagen dafür geschaffen, um die jetzt notwendige Skalierung in der Projektrealisierung und die damit einhergehende Beschleunigung der Energiewende auch durchführen zu können. Fast alles was wir dafür benötigen ist vorhanden: Wir haben die Wind- und Solarkraftwerke in der Entwicklung und können sie sukzessive bauen. Die Technologie ist da, die Stromgestehungskosten von Wind- und Solarstrom stehen an der Schwelle zur absoluten Wettbewerbsfähigkeit und sind bereits heute günstiger als alle konventionellen Energieträger.

Banken finanzieren die Projekte mit attraktiven Konditionen. Was also fehlt? Der entscheidende Punkt ist das Kapital zur Finanzierung der Projektentwicklung. Jetzt braucht es Milliarden-Investitionen um den Ausbau der Erneuerbaren als universelle und nachhaltige Energiequelle radikal zu forcieren.

Erneuerbare Energien sind die größte Geschäftschance der Welt

Um eine Vorstellung zu bekommen, welche investiven Mittel notwendig sind, hilft eine überschlägige Kalkulation am Beispiel der Solarenergie. Die neue Bundesregierung hat das Ziel von 200 GW PV-Leistung bis 2030 formuliert. Dies würde, bei angenommenen Baukosten von 500 Euro/kWp installierter Leistung, Investitionen in Höhe von 75 Milliarden Euro erfordern. Viele Expert:innen gehen davon aus, dass sogar deutlich mehr Solarkraftwerke errichtet werden müssen, um den Strombedarf zu decken. Hinzu kommen Milliardeninvestitionen in Windparks an Land und zur See. Kurzum: In den nächsten 10 Jahren entsteht ein entfesselter Milliardenmarkt, es werden die Boomjahre der Erneuerbaren Energien werden. Jetzt schlägt die Stunde der Unternehmen, die es verstehen, ihren Output an Projektleistung zu skalieren und die, wie US-Klimaaktivist und ehemaliger Präsidentschaftskandidat Al Gore es formulierte, die größte Geschäftschance der Welt zu nutzen wissen.

Der entscheidende Punkt ist das Kapital zur Finanzierung der Projektentwicklung von Wind- und Solarkraftwerken.

Die Effekte einer beispiellosen Beschleunigung der Elektrifizierung der Weltwirtschaft auf Basis von Ökostrom wären auf vielen Ebenen bahnbrechend. Neue Solar- und Windkraftwerke bewirken einen Dominoeffekt. Zum einen verdrängen sie insbesondere die klimaschädlichen Kohlekraftwerke, da Ökostrom durch die kontinuierliche Senkung der Produktions- und Technologiekosten auf deutlich unter 5 Cent pro Kilowattstunde bereits heute billiger als jede andere Form der Energieerzeugung ist. Wem der Kohleausstieg bis 2038 in Deutschland nicht schnell genug geht, investiert in den Ausbau der Erneuerbaren Energien. Zum anderen schafft eine dezentrale, fluktuierende Stromerzeugung Anreize, Strom zu speichern und über das Lastmanagement dann zu verbrauchen, wenn er verfügbar ist. Speichertechnologien unterliegen dem gleichen Kostensenkungsprinzip und werden mit ihrer Verbreitung exponentiell günstiger.

Ökostrom ist die transformative Kraft für die Stadt der Zukunft

Ökostrom ist also eine universelle Energiequelle, die in allen Sektoren eingesetzt und genutzt werden kann. Überschüssiger Wind- und Solarstrom kann zur Wärmeerzeugung genutzt und gespeichert werden. Die Elektrifizierung des motorisierten Individualverkehrs ist die einzige massentaugliche Möglichkeit, Mobilität zu erhalten und kohlenstoffbasierte Kraftstoffe nahtlos durch einen Klimaneutralen zu ersetzen. Ökostrom ist das Schlüsselprodukt, um technologischen Fortschritt und gleichzeitig unsere Lebensgrundlagen zu erhalten.

Urbane Lebensräume leiden nicht nur massiv unter den Folgen des Klimawandels, sie sind auch deren maßgeblicher Verursacher. Städte machen nur drei Prozent der Erdoberfläche aus, sie verbrauchen jedoch zwei Drittel der genutzten Energie. Folglich steckt in der Transformation des urbanen Energiebedarfs das größte Potential für eine nachhaltige Entwicklungsperspektive. Doch machen wir uns nichts vor, Städte werden nie in der Lage sein, ihren Energiebedarf zu decken, dazu fehlt ihnen die nötige Fläche.

Mieterstromprojekte sind der Schlüssel zur Energiewende in urbanen Räumen.

Aus diesem Grund braucht es eine funktionierende Stadt-Land-Beziehung und regional gesteuerte Ausbauplanung für Erneuerbare-Energien-Projekte. Der partnerschaftliche Ansatz in der Projektentwicklung ist alternativlos, denn letztendlich sitzen wir alle in einem Boot.
Grüne Städte sind Klimaschützer. Je schneller und konsequenter wir Städte im Sinne der Sektorkopplung Strom-Mobilität-Wärme umbauen und ihren Energiehunger durch die Bereitstellung von Ökostrom stillen, desto höher sind unsere Chancen, das ökologische Systemversagen abzuwenden. Aus diesem Grund fokussiert sich die Green City AG konsequent auf die Entwicklung und den Bau neuer Wind- und Solarkraftwerke zur massenhaften Erzeugung von Ökostrom sowie um dessen Lieferung vom Kraftwerk bis zum Verbraucher. Jeder will ihn, jeder braucht ihn. Wir haben ihn, den Stoff, aus dem die Zukunft gemacht wird: grünen Strom.

Photocredit NASA (Pexels), Mark Mühlhaus, Ralf Luethy