Green City Experience bringt Adaptive City Mobility voran

Emissionsfreies E-Mobilitäts-System für Städte erstmals live präsentiert

118 handliche Fahrzeugbatterien, sechs rollende E-Fahrzeuge, zwei Akkuwechselstationen und ein innovatives Mobilitätskonzept für die urbane Zukunft – das sind die zentralen Ergebnisse des Bundesforschungsprojekts Adaptive City Mobility (ACM), an dem Green City Experience in München beteiligt war. Zum Projektende wurde das ACM CITY – zusammen mit den zehn ACM Projektpartnern – in einem ersten urbanen Feldtest live vorgestellt.

Bereits im Sommer 2015 erhielt ACM ein „Gütesiegel“ für besonders wichtige Innovationen: Die Bundesregierung kürte es als eines der sieben Leuchtturmprojekt der Elektromobilität. Zudem wurde es im Rahmen des Technologieprogramms “IKT für Elektromobilität III” vom BMWi gefördert.

Rolle von Green City Experience
Green City Experience agierte als Schnittstelle zwischen technischer F&E, der konzeptionellen Entwicklung innovativer Mobilitätslösungen, Wirtschaftlichkeitsbetrachtungen, nutzerorientierter Akzeptanzforschung und ordnungspolitischen Rahmenbedingungen. Wesentlicher Part von Green City Experience war die Konzeption und Realisierung des Feldtests in München und öffentlichkeitswirksame Demonstration.

Die Projektkoordinatorin von ACM bei Green City Experience, Dr. Alexandra Bensler, stand im Rahmen der ACM Experience Days in München für ein Interview zur Verfügung. Sie erklärt, wie Green City Experience mit Adaptive City Mobility die Erforschung, Entwicklung und Umsetzung neuartiger Mobilitätskonzepte vorantreibt.

 

Dr. Alexandra Bensler Foto: Sina Scherer
Dr. Alexandra Bensler Foto: Sina Scherer

Alexandra, du bist Projektleiterin von Green City im “Adaptive City Mobility”-Forschungsvorhaben, einem Leuchtturmprojekt der Bundesregierung. Was muss man sich darunter vorstellen? Worum geht es dabei konkret?

Es geht im ACM-Forschungsvorhaben um die Entwicklung, den Bau und die Erprobung eines innovativen E-Mobilitätskonzepts namens Adaptive City Mobility, kurz ACM. Es ist leicht, clean und geshared. Zukünftig soll es zu einer nachhaltigeren Mobilität in Städten beitragen. Das Vorhaben hat ein Forschungsfahrzeug hervorgebracht, das auch für eine Serienproduktion weiterentwickelt werden kann. Darüber hinaus hat es Know-how generiert, von dem andere Unternehmen bei der Entwicklung ihrer Mobilitätsangebote profitieren können.

Was ist das Besondere an der vorgeschlagenen Lösung eines Elektroautos mit dem etwas sperrigen Namen ‚ACM City‘?

Das ACM CITY ist leicht – als Leichtbau wiegt es inkl. Batterien 650 kg und ist damit eine energieeffiziente Mobilitätslösung. Das ACM CITY ist clean – es wird elektrisch betrieben und ermöglicht es, (lokal) CO2-emissionsfrei voranzukommen. Der manuelle Akkuwechsel ermöglicht einen Betrieb rund um die Uhr ohne Ladezeiten und schafft damit die Grundlage für einen wirtschaftlichen Einsatz des Fahrzeugs. Das ACM CITY wird geteilt – dadurch benötigt es weniger Parkplätze als ein Privat-Auto. Die Anschaffungskosten werden auf viele Personen und Unternehmen umgelegt und so wird es wirtschaftlich tragbar. Das Konzept sieht eine geteilte Nutzung der Flotte durch Privatpersonen, Gewerbetreibende und Lieferdiensten vor. Dafür kann das ACM CITY durch wenige Handgriffe von einem Dreisitzer in ein Transportfahrzeug umgebaut werden, das trotz seiner geringen Größe eine ganze Europalette transportieren kann.

Welche Rolle hat der Geschäftsbereich EXPERIENCE der Green City AG bei dem Projekt, Green City ist ja nicht auf einmal unter die Automobilhersteller gegangen, oder?

Green City ist nicht unter die Automobilhersteller gegangen, nein. Wir nutzen unsere Fachexpertise im Bereich Mobilität und Verkehr, um die die Potentiale von E-Sharing-Konzepten angewandt zu erforschen und weiterzuentwickeln, etwa in Bezug auf Nutzerakzeptanz und Nutzungspotenzialen. Diese Erkenntnisse sind eine Grundlage, um die Konzepte Realität werden zu lassen, sie zu optimieren und ihnen zum Erfolg zu verhelfen.

Für die mögliche Veränderung des Mobilitätsverhaltens von Personen hat das ACM-Konzept zwei Stärken: Erstens können Sharing-Angebote multimodales Mobilitätsverhalten fördern, wenn sie Personen darin bestärken, ihren Privat-Pkw abzuschaffen und Wege mit öffentlichen Verkehrsmitteln, zu Fuß und mit dem Radl zurückzulegen. Sharing-Angebote bieten dabei eine notwendige Ergänzung, wenn Wege gelegentlich motorisiert und individuell zurückgelegt werden müssen. Zweitens bietet das Teilen von E-Fahrzeugen eine niedrigschwellige Gelegenheit, E-Mobilität zu erleben, Nutzungshemmnisse abzubauen und somit die persönliche Nutzung weiterer E-Mobilitätsangebote zu fördern.

So können wir helfen, eine Mobilitäts- und Verkehrswende voranzutreiben und selbst mit zu gestalten.

 

ACM Experience Days supported by Green City from Green City on Vimeo.

 

Welche zentralen Erkenntnisse haben wir als Projektpartner gewinnen können? Was hat dich am meisten überrascht?

Kommunikation ist der Schlüssel zum Erfolg. Nur so konnte das ACM-Konzept so weit gedeihen. Es ist das Ergebnis der Zusammenarbeit von zehn Projektpartnern mit unterschiedlichen fachlichen Hintergründen und entsprechenden Fachsprachen. Somit war ein regelmäßiger und effektiver Austausch zwischen den Projektpartnern wichtig, um das Fahrzeug am Ende zum Rollen zu bekommen.

Jetzt läuft nach vier Jahren Vorlaufzeit der Feldversuch, die ersten Testfahrzeuge sind im Münchner Domagkpark im Einsatz. Was ist das Ziel dieser ‚ACM Experience Days‘?

Die ACM EXPERIENCE DAYS haben zwei Ziele. Erstens wollen wir ACM im Rahmen eines Pressetags der Öffentlichkeit präsentieren: der Fachöffentlichkeit, damit sie das Know-how weiterträgt und es in vielfältige Mobilitätskonzepte der Zukunft einfließen kann. Dann sind da Politik und Verwaltung, um sie durch neue Mobilitätsideen zu inspirieren. Und schließlich die Bürgerinnen und Bürger, die letztlich die Endkunden sind, die neue Mobilitätskonzepte nutzen und leben. Dafür können Pressevertreter das ACM-Konzept ‚experiencen‘. Das zweite Ziel ist Nutzerforschung: Wir untersuchen die Nutzerakzeptanz des ACM-CITY-Fahrzeugs, um Impulse für die Fahrzeugoptimierung zu erhalten. Indem wir zudem das Nutzungspotenzial des Konzepts analysieren, verstehen wir, für welche Mobilitätsbedarfe es genutzt werden kann und somit, wie es praktisch zu nachhaltiger Mobilität beitragen kann. Damit schaffen wir wichtige Grundlagen für eine mögliche Realisierung des ACM-Konzepts, etwa für die Stadtplanung und Geschäftsentwicklung.

Und wie geht es im ACM-Forschungsprojekt weiter, bauen die Projektpartner am Ende einen neuen Automobilhersteller der Zukunft auf?

Aus dem ACM Forschungsprojekt ist zwischenzeitig eine Ausgründung hervorgegangen: die ACM GmbH. Sie ist aktuell im Gespräch mit verschiedenen Investoren, um das Erfahrungswissen zu nutzen und ACM in Serie auf die Straße zu bringen – insbesondere Investoren aus Schwellenländern zeigen da Interesse. Somit trägt Green City durch ACM auch global zu einer nachhaltigen Mobilität bei.

Mehr Informationen zu ACM finden Sie hier.

Impressionen von den ACM Experience Days

 

Mehr Impressionen von den Adaptive City Mobility-Fahrzeugen