Green City erklärt: Verbraucherstrompreis vs. Börsenstrompreis

Es ist eine mediale Steilvorlage: Der regenerative Anteil im deutschen Strommix ist bei knapp 40 Prozent angekommen. Parallel zum Grünstrom in deutschen Netzen steigt, wenn auch in kleinen Schritten, der Verbraucher-Strompreis kontinuierlich. In diesem Jahr verbucht der Konsument wieder eine Erhöhung von 0,9 Prozent auf der Stromrechnung. Die Verbindung liegt nahe, doch so simpel ist die Rechnung nicht. Green City zeigt, welchen Einfluss die Erneuerbaren wirklich auf den Strompreis haben.

Die Erneuerbaren sind im deutschen Netz auf Rekordhoch: Gut 38 Prozent des deutschen Strommixes stammt bereits aus hiesiger Wind-, Wasser- und Solarkraft. Damit hängen die Regenerativen ihre fossile Konkurrenz immer weiter ab. Ein positiver Trend, der den Verbraucher mit Blick auf die eigene Stromrechnung erstmal stutzig machen lässt. Denn diese steigt seit Jahren stetig. Doch um zu verstehen, welchen Einfluss die Erneuerbaren auf die eigene Stromrechnung haben, muss man zunächst die aktuelle Zusammensetzung des Strompreises kennen. Dieser bildet sich aus Börsenstrompreis, EEG-Umlage und den Netzentgelten.

Zusammensetzung des Strompreises für Haushaltskunden (Jahresverbrauch: zwischen 2.500 und 5.000 kwh) / April 2017. Quelle: Monitoringbericht der Bundesnetzagentur und Bundeskartellamt 2017)

 

Börsenstrompreis auf Talfahrt

Wer aber über den Einfluss von Erneuerbaren auf den Strompreis spricht, sieht meist nur eine steigende EEG-Umlage und höhere Netzentgelte. Doch es gibt noch eine zweite Komponente, auf die die Erneuerbaren einen massiven Einfluss haben: den Börsenstrompreis. Jener Preis, mit dem Strom an der Börse gehandelt wird. Im Gegensatz zum Verbraucherstrompreis sinkt dieser seit Jahren kontinuierlich. Der Grund dafür ist die große Menge von günstigem Solar- und Windstrom, die immer öfter für ein Überangebot sorgt. Das drückt den Börsenstrompreis. Wichtig ist: Die EEG-Umlage wird aus der Differenz von Erzeugungskosten und Börsenstrompreis ermittelt, die Erneuerbaren Energien werden so zum Opfer ihres eigenen Erfolges. Und zum Sündenbock für steigende Strompreise. „Je niedriger der erzielte Börsenstrompreis für EEG-Strom am Spotmarkt und je höher die Menge des erzeugten EEG-Stroms ist, umso stärker steigt auch die EEG-Umlage an“, erklärt das Internationale Wirtschaftsforum Regenerative Energien (IWR). Dank der Erneuerbaren haben wir aber bereits heute einen Börsenstrompreis um die 4 Cent pro kwh.

Kosten-Sieger: Ökostrom

Wirft man dann einen Blick auf die Erzeugungskosten, sind die Sieger eindeutig die Erneuerbaren: Bereits heute kann Solarenergie für unter 5 Cent pro kwh produziert werden. Im Vergleich dazu liegt Kohlestrom zwischen 7 und 12 Cent pro kwh. Eine Entwicklung, von der der Endverbraucher noch nichts zu spüren bekommt. Aktuell verdienen daran nur wenige: Stromeinkäufer, Großabnehmer und energieintensive Unternehmen, die von der EEG-Umlage befreit sind. Wann landet diese Entwicklung beim Verbraucher?

2020: Wendepunkt der Energiewende

Der Kostendruck auf die fossilen Riesen steigt enorm. Die Anschubphase für teuren Grünstrom ist vorbei. Die ersten, kostenintensiven regenerativen Anlagen aus den 2000ern laufen in den kommenden Jahren aus der staatlichen Förderung. Erste Prognosen zum Sinken der EEG-Umlage in diesem Jahr werden bereits laut. Und das ist erst der Anfang: Die Annäherung zwischen Erzeugungskosten für Ökostrom und Börsenstrompreis ist nicht mehr aufzuhalten. Die Erneuerbaren Energien stehen an der Schwelle zum Post-EEG-Zeitalter, zum wirtschaftlichen Betrieb ohne staatliche Förderung. Keine andere Energieform kann schon heute so günstig Strom produzieren, wie neu erbaute Wind- und Solarkraftwerke. Jede neue Anlage, die heute ans Netz geht, wird den Kostendruck auf die “Fossilen” weiter erhöhen. Die Früchte der Energiewende hängen schon zum Greifen nah. Voraussichtlich ab 2020 können sie auch geerntet werden – nicht nur in Form einer gesunkenen Stromrechnung.

 

Quellen: Agentur für Erneuerbare Energien, Agora Energiewende, IWR