Interview mit GE Deutschland

Andreas von Bobart ist seit dem 1. Mai 2013 General Manager Renewable Energy und verantwortet als Leitung des deutschen Windgeschäfts von GE unter anderem die Kommerzialisierung der GE 2.5-120 Windenergieanlage.

Das folgende Interview führte Green City Energy im Mai 2015 zum Anlass der erstmaligen Zusammenarbeit von Green City Energy mit GE. Green City Energy errichtet 2015 den Windpark Ravenstein mit vier Windkraftanlagen des Typs GE 2.5-120 im Rhein-Neckarkreis in Baden-Württemberg.

GE ist ein internationales Unternehmen. Was ist die Strategie im Windbereich für Deutschland?

GE Wind ist ein globaler Hersteller, für den Dezentralität und lokale Entscheidungskompetenz wichtig sind. Vor diesem Hintergrund haben wir die Organisation auf den deutschen Markt zugeschnitten und sind unseren Kunden damit ein lokaler Partner. Die 2013 vorgestellte Schwachwindanlage 2.5-120 ist ein großer Erfolg. GE wird auch weiterhin in flexible Turmtechnologien und Energiespeicheroptionen investieren und für deutsche Windverhältnisse intelligente und effiziente WEA mit flexiblen Kran- und Transporttechnologien anbieten. Auf der Husum Wind im September 2015 werden wir die neueste Windenergieanlage (WEA) für den deutschen Markt vorstellen. Aber auch die Ausrichtung des Servicegeschäfts ist ein wichtiges Thema. GE’s Vollwartungsverträge sind langfristig angelegt und bieten unseren Kunden damit entsprechende Planungssicherheit. Besonders wichtig ist uns die intensive und kreative Zusammenarbeit mit unseren Kunden, um auch die Verbesserungen außerhalb unseres Umfangs voranzutreiben, die den Gesamtwert des Projektes für den Kunden erhöhen.

Was sind die speziellen Herausforderungen oder Besonderheiten Ihres Wind-Geschäfts in Deutschland?

Spezielle Herausforderungen in Deutschland sind zunehmend komplexere Genehmigungsverfahren und Transportrestriktionen bei sehr großen Anlagen. Die deutsche DIBT-Zertifizierung stellt zusätzlichen Aufwand dar.

Wie wird sich der deutsche Windmarkt Ihrer Meinung nach in den nächsten Jahren entwickeln?

Das BMWI hat dazu Zahlen veröffentlicht, die neben dem Nettozubau von 2,5 GW pro Jahr auch noch den Abbau von Altanlagen berücksichtigen. In Summe geht das BMWI von durchschnittlich 4 GW neuinstallierter Leistung pro Jahr aus.

Seit 2013 produziert und verkauft GE mit der GE 2.5-120 erstmals eine Schwachwindanlage. Was sind die Merkmale dieser Anlagen ?

Die 2.5-120 und die 2.75-120 sind intelligente und effiziente Hochleistungs-Windenergieanlagen mit einem Rotordurchmesser von 120 Metern und einer Turmhöhe von bis zu 139 Metern. Damit ermöglichen sie eine dezentrale Energieversorgung für Standorte mit niedrigen Windgeschwindigkeiten, wie es sie häufig in Deutschland gibt. Die Anlagen vereinen hohe Leistung mit hohem Wirkungsgrad und nutzen das industrielle Internet, um die Service-Produktivität zu erhöhen und einen Batteriespeicher zu integrieren. Die hohe Zahl an Volllaststunden zeigt, dass die Anlagen optimal für die Standortbedingungen in Deutschland ausgelegt sind.

Wie viele Windenergieanlagen des Typs GE 2.5-120 sind in Deutschland schon in Betrieb?

Mit Stand April 2015 sind 110 Anlagen in Deutschland in Betrieb. Über 1.700 Anlagen der 2-3 MW-Plattform wurden bisher weltweit errichtet.

Beim Windpark Ravenstein kommen erstmals bei einem Projekt von Green City Energy (GCE) GE-Anlagen zum Einsatz. Sind diese vier Anlagen (aktuell im Bau) die ersten vom Typ GE 2.5-120, die in Baden-Württemberg errichtet werden?

Ja

GE bezieht viele Teile von externen Partnern. Wie sichern Sie die Nachhaltigkeit und Qualität Ihrer Zulieferer?

Wir sichern Nachhaltigkeit und Qualität unserer Lieferanten durch vorherige intensive Überprüfung auf Integrität, finanzielle Stabilität und technische Fähigkeiten sowie auf Qualitäts-Standards und EHS (Environment, Health & Safety). Ein Lieferant muss für jedes Bauteil qualifiziert werden, bevor er GE das Produkt liefern darf. Der Lieferant wird regelmäßig gemäß der bestehenden Qualifizierung auditiert, um gleichbleibende Qualität und Prozess-Sicherheit zu garantieren. Abweichungen werden üblicherweise durch unsere Qualitätssicherung in der Produktion festgestellt, dokumentiert und mit Sourcing Quality und dem Lieferanten analysiert, behoben, korrigiert und nachhaltig durch entsprechende Maßnahmen abgestellt.

GE entwickelt gerade einen eigenen Gitterturm für Windenergieanlagen. Was sind die Vorteile, wie ist der Turm aufgebaut und gibt es schon einen Prototypen? Was ist die mögliche Nabenhöhe? Wann rechnen Sie mit der offiziellen Markteinführung?

Für die neue Anlagengeneration hat GE einen Turmtypen entwickelt, um größere Nabenhöhen kosteneffizienter umzusetzen und den Bau von Anlagen auch an zuvor nur schwer erreichbaren Standorten zu ermöglichen. Statt des herkömmlichen Stahlrohrturms zum Stützen des Maschinenkopfes einer WEA kommt beim Space Frame Tower eine fünfeckige Fachwerkkonstruktion aus Metall zum Tragen, umhüllt von architektonischem Glasfasergewebe, das z.B. auch bei der Überdachung der Fußball-Arena in München verwendet wurde. Der neue Turm von GE bietet viele Vorteile für die mit größeren Turmhöhen verbundenen logistischen Herausforderungen: er kann unter anderem in Standardcontainern transportiert werden. Außerdem besitzt er eine ästhetische Optik und schützt die Anlage zusätzlich vor Umwelteinflüssen. Durch das neue Design kann die Anzahl der Schwertransporte und damit auch die Belastung der Anwohner signifikant reduziert werden. Eine Demonstrationsanlage wurde in Kalifornien aufgestellt. Die Errichtung der ersten Kundenanlage mit 139 m Nabenhöhe ist für das dritte Quartal 2015 in Brandenburg geplant. Weitere Nabenhöhen sind momentan noch nicht endgültig festgelegt.

Was sind die Besonderheiten der Errichtung von Windenergieanlagen an Waldstandorten wie aktuell bei dem Windpark Ravenstein von GCE?

Im Gegensatz zur Errichtung von Windenergieanlagen auf der Wiese ist die Errichtung von Anlagen im Wald deutlich komplexer. Aus Naturschutzgründen sind die Auswirkungen der Baumaßnahmen, vor allem die Zuwegung und Kranstellflächen im Wald, auf das erforderliche Maß zu beschränken. Um die Rodungsflächen zu minimieren, setzen wir beispielsweise in Ravenstein für unsere GE 2.5-120 Windenergieanlage das Verfahren der „Einzelblattmontage“ ein. Mit einer speziellen, eigens entwickelten Hebevorrichtung wird jedes Rotorblatt separat auf 139m Nabenhöhe mit der Maschine verbunden. Sonst üblich ist eine „Sternmontage“, bei der der gesamte Rotor am Boden montiert und in einem Zuge angehoben wird, wodurch pro Windenergieanlage etwa 400 bis 500 m² Wald zusätzlich zu roden wären. So konnten wir mit der Einzelblattmontage in Ravenstein die Rodung auf ein Minimum begrenzen.

Wie funktioniert der Rückbau der Anlagen, Türme und Fundamente? Kann jedes Teil recycelt werden? Verbleiben Teile am Standort?

Der Abbau funktioniert ähnlich wie der Aufbau, nur rückwärts. Die Blätter werden zerkleinert und thermisch verwertet. Rohstoffe aus anderen Bauteilen wie Stahl, Kupfer, Edelmetalle, etc. werden den jeweiligen Verwertungsstellen zugeführt. Fundamente und Betonturmteile werden zerkleinert und als Schotter wiederverwertet. Öl wird abgepumpt und kann ebenfalls wiederverwertet werden.

Haben Sie schon eine GE-Anlage in Deutschland zurückgebaut?

Im Zuge des sogenannten Repowering (WEA der ersten Generationen werden durch moderne Turbinen ersetzt) wurden bereits erste Anlagen von GE zurückgebaut. Der Rückbau von Anlagen erfolgt in der Regel durch die Eigentümer und nicht durch GE. Repowering ist ein weiteres interessantes Geschäftsfeld für GE und wir freuen uns, auch damit zur Erreichung der Klimaziele in Deutschland beitragen zu können.