Themenreihe WIRKUNGSGRAD: Junge Erwachsene im Gespräch mit Experten

Am Dienstagabend, den 20.10.2015, diskutierten in der orange bar drei Generationen über die Ursachen und Folgen des Klimawandels und die bevorstehende 21. UN-Klimakonferenz in Paris. Rund 100 Gäste folgten der von Achim Bogdahn gekonnt moderierten Diskussionsrunde. Podiumsteilnehmer waren Professor Julian Nida-Rümelin, Staatsminister für Kultur a.D. und Philosoph, Professor Gerhard Berz, Geowissenschaftler und ehem. Leiter der GeoRisikoForschung der Münchener Rück, Katharina Schulze, die Stellvertretende Vorsitzende der Grünen Landtagsfraktion sowie die jungen Erwachsenen Franziska Weimann, Nicola Meyer, Leo Herrmann, Daniel Matter sowie Laurin Kerle, der Landesvorstand der Jugendorganisation Bund Naturschutz.

War Klimaschutz früher schon Thema?

Alle Teilnehmer auf dem Podium verbindet eines: sie beschäftigen und engagieren sich aktiv für den Umweltschutz. Auf Frage der jungen Erwachsenen, ob den Klimaschutz bereits ein Thema war, als die ältere Generation Anfang 20 war, erinnert sich Professor Berz an die Themen Waldsterben und auch Ressourcenverbrauch als die Anfangsthemen des Klimaschutz. Kaufleute hätten aus wirtschaftlicher Sicht schon früh begonnen zu begreifen, dass Umwelt eine große Rolle spielt, weil es jeden einzelnen von uns betrifft. Professor Nida-Rümelin verweist auf die Anti-Atomkraft-Bewegung, die in den 70er Jahren am stärksten und auch am radikalsten war.

Klimawandel gehört zum Allgemeinwissen

Auf dem Podium herrschte Einigkeit, dass die verheerenden Folgen des Klimawandels inzwischen weltweit zu spüren sind und auch zur Allgemeinbildung gehören. Der Zusammenhang von Klimaveränderung und Dürren, Unwetter, Überschwemmungen oder Hitzeperioden lässt sich nicht mehr leugnen. Doch auch wenn dem einzelnen Menschen bewusst ist, dass er die Klimaveränderung durch sein Konsum- und Reiseverhalten beeinflusst, lässt er sich nur schwer motivieren, etwas dagegen zu tun bzw. sein Verhalten nachhaltig zu ändern. Um die Gesellschaft zum Handeln zu bringen, müsse man mit positiven Beispielen und sog. Leuchtturmprojekten vorangehen, schlägt Grünen-Politikerin Schulze vor. Und die Politik müsse Rahmenbedingungen schaffen, so dass es sich für den Einzelnen attraktiv gestaltet, sich klimafreundlich zu verhalten und auch Vorgaben machen. Zum Beispiel durch den Ausbau des Öffentlichen Nahverkehrs, der Erneuerbaren Energien oder Elektromobilität. Zudem müsse das Thema Umweltbildung endlich in den Lehrplan der Schulen integriert werden. Je größer das Bewusstsein für Umweltschäden umso selbstverständlicher der achtsame Umgang mit unseren Ressourcen, so die These.

Verheerende Auswirkungen auf die Welt

Der pessimistische Tenor auf dem Podium lautet, dass es keine Möglichkeit mehr gebe, das 2°-Ziel zu erreichen. Hierzu habe die Weltgesellschaft zu lange gezögert. Eine Erderwärmung um 5° sei eine realistische Prognose, welche konkreten Folgen dies tatsächlich habe, sei jedoch noch nicht abzusehen. Im Weltklimabericht des Weltklimarats IPCC werden hierzu verschiedenen Szenarien des Ausmaßes beschrieben. Professor Nida-Rümelin warnt davor Prognosen zu erstellen und sich Szenarien auszumalen, da diese sich ständig ändern. Dass die Risiken massiv sind, muss der Mensch sich jedoch bewusst machen, aber er dürfe sich davon nicht lähmen lassen. Der Mensch riskiert sein Lebensraum, die technologischen Lösungen für die Umsetzung von Klimazielen seien durchaus vorhanden, so der Philosoph, der zudem ein Physik-Studium abgeschlossen hat. Dass sich tropische Wirbelstürme, Dürreperioden und Unwetter weiter mehren werden, könne man mit Sicherheit feststellen, und somit auch, dass die betroffene Weltbevölkerung zur Flucht gezwungen werden wird. Bei den immer steigenden Bevölkerungszahlen, den verstärkten Klimakatastrophen, der globalen Erderwärmung und dem Anstieg des Meeresspiegels, wird der Klimawandel eine Völkerwanderung in Gang setzen, der die jetzigen Flüchtlingsströme bei weitem übertreffen werde. Bei dem verheerenden Monsun in Indien, Nepal und Bangladesch 2007 verloren 21 Millionen Menschen ihr Obdach, in Zukunft könnten alleine in Indien 1,2 Milliarden Menschen betroffen sein. Die Welt steht vor einer kosmopolitischen Herausforderung, deren ohnehin schon schwierige Lösung nur auf globaler Entscheidungsebene getroffen werden kann. Die Entscheidungskraft muss demnach global ausgedehnt werden.

Aussicht der jungen Generation im Gespräch mit Experten

Aus politischer Sicht muss dringend ein institutioneller Rahmen geschaffen werden und auch ein globales Kontrollgremium, das für die Einhaltung des Rahmens sorgt. Die Jugend ist, sehr zum Unverständnis der Älteren, nicht wütend auf die vorhergehenden Generationen, die ihnen das Problem des Klimawandels vererbt hat, aber sie ist höchst motiviert das Problem anzupacken und sich für den Klimaschutz einzusetzen. „Wir sind bereit aus den Fehlern der Vergangenheit zu lernen, wir müssen aber nicht auf ihnen pochen“, stellt Daniel Matter fest. Zu guter Letzt und sehr zur Beruhigung der älteren Generationen hat die 20-Jährige Nicola Meyer dann doch zugegeben, dass sie wütend ist: Auf die Teilnehmer der Klimakonferenzen, denen die Wirtschaft immer noch wichtiger ist als der Umweltschutz und auf Frau Merkel, die „uns verkaufen will, dass mit der Atomlagerung keine Umweltschäden einhergehen“.

Klimaherbst und Themenreihe Wirkungsgrad

Die Veranstalter des Abends waren die Evangelische Stadtakademie München in Kooperation mit Green City Energy AG, BenE München und der Selbach-Umwelt-Stiftung.

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Wirkungsgrad Junge Erwachsense im Gespräch mit Experten 01
Von links: Professor Gerhard Berz, Katharina Schulze, Julian Nida-Rümelin, Achim Bogdahn, Leo Herrmann, Daniel Matter und Nicola Meyer