fbpx

Der Green City Newsletter
Immer am Puls der Zeit: Erfahren Sie mehr von Green City und den zentralen Themen unserer Zeit: Stadtgestaltung, Energie, Bildung und Mobilität.

Wie wir die Klimakrise überleben

Wenn man sich so umschaut, hat man den Eindruck wir Menschen verfolgen in Bezug auf die Klimakrise zwei grundsätzlich verschiedene Handlungsstrategien. Die einen wollen es nicht wahr haben, dass die Party, wie wir sie kennen, zu Ende ist. Die anderen verfallen in eine Schockstarre ob der gewaltigen Aufgabe, die Klimakrise zu bewältigen. Was wir aber alle gemeinsam haben, ist eine ausgeprägte Tatenlosigkeit, sei es aus Apathie oder aus Verleugnung. Dabei haben wir, wenn wir den Klimavertrag von Paris einhalten und den Planeten als Lebensgrundlage erhalten wollen, in Deutschland ein Restbudget von lediglich 7,3 Gigatonnen CO2. Wir müssen in den Handlungsmodus bevor es, nun ja, zu spät ist. Wir müssen also auf eine radikale CO2-Entziehungskur, sonst wird die Klimakrise nichts weniger als eine Überlebensfrage.

Das jüngste Zeugnis unserer kollektiven Tatenlosigkeit hat die Bundesregierung mit ihrem mutlosen Klimapaket abgelegt. Man könnte als Begründung, warum die Politik nicht entschlossen handelt, die Angst vorm Souverän anführen. Die Politik handelt also aus machtpolitischem Kalkül heraus nicht, und wir alle nicht in gebotener Radikalität, weil wir es nicht müssen. Denn CO2 hat mit diesem Klimapaket auch in Zukunft keinen Preis, der uns zu Verhaltensänderungen zwingt. Bequemer geht es nicht.

Klar kann beim Klimaschutz jeder bei sich selbst anfangen; diese Gespräche führt man alle Tage. Weniger fliegen, weniger Fleisch essen, Ökostrom beziehen. Doch der „Power of One“-Ansatz alleine wird nicht funktionieren. Und das aus gutem Grund: Wenn wir jede*n Einzelne*n aufgrund des eigenen Konsumverhaltens für die Klimakrise verantwortlich machen, dann ist das eine Schuldzuweisung. Und darauf reagieren wir äußerst menschlich – mit Abneigung anstatt der gewünschten Verhaltensänderung. Und diejenigen, die sich einen Ruck geben und situationsbezogen klimaschützend handeln, laufen Gefahr, einem psychologischen Mechanismus zum Opfer zu fallen. In der Psychologie spricht man vom „Lizensierungseffekt“. Dahinter steckt unsere nachgewiesene Eigenschaft, sich nach einer guten Tat das Recht heraus nehmen, entgegengesetzt zu handeln. Frei nach dem Motto „Ich bin ja mit dem Zug gefahren, also kann ich mir das Steak schon gönnen.“

Ob es uns also gefällt oder nicht, wir werden die Klimakrise nur durch individuelle Verhaltensänderung nicht bewältigen können. Was es braucht, sind Maßnahmen, die echte Lenkungswirkung in Bezug auf unser aller Verhalten erzielen. Ein Klimapaket das einen Preis von mindestens 50 Euro für eine Tonne CO2 ab sofort vorgibt, würde laut der wissenschaftlichen Empfehlung die preissensiblen Deutschen kollektiv zu klimafreundlichem Handeln veranlassen. Nur so können wir die notwendige und radikale Reduktion von Klimagasen erreichen.

Die Bundesregierung muss klar signalisiert bekommen, dass ihre größte politische Chance in der Einführung eines Emissionshandels liegt, die eine klimaneutrale Gesellschaft qua Preissignal ermöglicht. Genau aus diesem Grund sind die massiven Klimaproteste der letzten Wochen so unglaublich wichtig. Bevor wir uns also im Klein-Klein der persönlichen Klimaschutztipps verheddern, sollten wir unserer Stimme Gehör verschaffen. Und das heißt, konsequent zu demonstrieren. Um es mit den Worten der Fridays-for-Future-Aktivisten zu sagen:  „Wir müssen das jetzt auf die Reihe bekommen. Die Bewegung ist unsere letzte Chance. Wenn das nicht ankommt, wenn das ungehört verschallt, dann war es das.“ Was soll man sagen? So schaut´s aus.

Kolumne “So schaut’s aus!” Foto: Sina Scherer
Kolumne “So schaut’s aus!” Foto: Sina Scherer


Martin Betzold ist Unternehmenssprecher der Green City AG. Seine Kolumne „So schaut`s aus!“ befasst sich meinungsfreudig mit gesellschaftspolitischen Themen im Kontext der
Energie- und Verkehrswende sowie den damit einhergehenden Veränderungen.

Ihnen brennt ein Thema oder eine Antwort unter den Nägeln? Schreiben Sie direkt an unseren Kolumnisten: soschautsaus@greencity.de