Windenergie und Artenschutz – ein Widerspruch?

Windkraft vertreibt Arten! Windkraft schreddert Vögel! Windkraft-Infraschall beeinträchtigt die Gesundheit der Tiere! Die Liste der Argumente von Windkraftgegnern ist lang. Doch wieviel Wahrheit steckt in den Aussagen und ist die Kritik wirklich berechtigt?

von Sina Scherer | Lesezeit 6 Minuten

In punkto Artenschutz gerät die Windenergie immer wieder in den Fokus der Aufmerksamkeit. Nicht nur, weil das Errichten von Windparks einen Eingriff in die Natur und Umgebung des Standortes darstellt, sondern auch, weil Rotorblätter und auch die Türme der Windräder eine potenzielle Gefahr für z.B. Vögel und Fledermäuse sein können. Kein leichter Stand für Windenergieanlagen-Projektentwickler wie die Green City AG. In der emotional geführten öffentlichen Debatte ist es uns wichtig, die Auswirkungen der Windenergie auf den Artenschutz in einen sachlichen Kontext zu stellen.

Windkraft vertreibt Arten?

Zugegeben, der Bau von Windenergieanlagen ist ein Eingriff in die Natur und beeinträchtigt somit das Artenvorkommen. Doch bevor wir hier genauer darauf eingehen: Der Klimawandel vertreibt auch Arten. So haben sich die Lebensräume für viele Tiere und Pflanzen aufgrund steigender Temperaturen im weltweiten Durchschnitt bereits um rund 17 Kilometer pro Jahrzehnt in Richtung der Pole verschoben, umgerechnet 4,5 Meter (!) pro Tag. Was wir von der Green City AG also mit dem Ausbau der Erneuerbaren Energien versuchen ist, genau dieser Entwicklung bestmöglich entgegenzuwirken – durch eine konsequent nachhaltige und umweltbewusste Projektplanung bereits im Vorfeld.

Peter Reidelbach, Projektleiter Windenergie bei der Green City AG erklärt: „Jedes neue Windenergieprojekt muss vorab ein sehr umfassendes Immissionsschutz-Genehmigungsverfahren durchlaufen. Hier wird das gesamte Projekt unter Berücksichtigung sämtlicher Kriterien, wie z.B. schall- und schattenwurfbedingte Abstands-Regelungen sowie Umwelt-/ & Artenschutz unabhängig von externen Gutachtern sorgsam geprüft.“ Die Sorge, dass Arten verschwinden oder aufgrund des Ausbaus Erneuerbaren Energien sogar gänzlich aussterben, ist unbegründet.

Ganz im Gegenteil, sagt Peter Reidelbach: „Insgesamt hilft ein schneller Ausbau der Windkraft, den CO2-Ausstoß zu senken und damit die Erderwärmung und das Artensterben zu verlangsamen und zu verhindern.“ Zudem unternimmt die Green City AG bei Planung und Bau von Windkraftanlagen alles, um gefährdete Arten zu schützen.

Ein Beispiel: Im Falle der beiden im saarländischen Merzig entstandenen Green City Windkraftanlagen wurden z.B. in einer Entfernung von drei Kilometern sogenannte Wildkatzenburgen angelegt, um den Tieren eine ungestörte Aufzucht ihrer Jungtiere zu ermöglichen. Doch damit nicht genug: Bei der Standortwahl von Windkraftanlagen, muss auch der Fledermauszug berücksichtigt werden. In den Genehmigungsverfahren wird daher, regelmäßig vorgeschrieben, dass Windenergieanlagen zu bestimmten Zeiten zwischen April und Oktober und unter bestimmten Bedingungen abgeschaltet bleiben.

Pauschale Einschaltvorgaben führen jedoch zu relativ hohen Ausfallzeiten der Windenergieanlagen. Um eine effizientere Konkordanz zwischen den Belangen des Artschutzes und der Windenergienutzung zu erreichen, werden daher in der neueren Praxis anlagenspezifische Einschaltalgorithmen verwendet, die das standortspezifische Kollisionsrisiko mit Hilfe der akustischen Erfassung von Fledermausaktivitäten bestimmen. Software-Lösungen wie z.B ProBat berechnen für den jeweiligen Standort einer Windkraftanlage die spezifische Anlaufwindgeschwindigkeiten, bei denen das Tötungsrisiko für Fledermäuse minimiert werden kann.

Fazit: Windenergieanlagen haben lokal Auswirkungen auf bestimmte Arten, tragen aber durch die Ökostromerzeugung zur Bekämpfung der Klimakrise und damit langfristig dazu bei, dass heimische Arten auch in Zukunft entsprechende klimatische Bedingungen vorfinden und nicht nach Norden abwandern oder gar aussterben. Windräder sind Artenschützer.

Windkraft schreddert Vögel?

Ein weiteres Argument der Windkraftgegner ist, dass die Rotoren der Windenergieanlagen eine Bedrohung für Zugvögel darstellen. Was viele nicht wissen: Erste Windanlagen werden mit Kameras und Softwaretechnik ausgestattet, die Kollisionen mit Vögeln vermeiden sollen und die Anlagen abschalten, wenn ihnen die Tiere zu nahekommen. Zudem haben norwegische Forscher kürzlich herausgefunden, dass es vor allem bei Greifvögeln zu einer Reduktion der tödlichen Kollisionen von über 70 Prozent kommt, wenn je ein Rotorblatt schwarz eingefärbt wurde. Vermutet wird, dass durch die stärkere Kontrastwirkung die Bewegungsunschärfe des Rotors so reduziert wird, dass die Vögel ihn zeitgerecht wahrnehmen. Auch den Turm der Windkraftanlage selbst zu bemalen, hatte bereits eine Reduktion von 50 Prozent der Vogeltodesfälle zur Folge. Eine wichtige Erkenntnis im Sinne des Vogelschutzes, die die Windenergiebranche für zukünftige Projekte sinnvoll einsetzen kann. Aber mal ganz unabhängig davon: Zwischen 10 000 und 100 000 Tieren pro Jahr liegt die tatsächliche Zahl der durch Windräder getöteten Vögel nach Einschätzung von Hermann Hötker vom Michael-Otto-Institut im Naturschutzbund Deutschland. Das entspräche bei den damals etwa 20 000 bundesweit installierten Windkraftanlagen (heute 27.000) einer Quote von ein bis fünf Vögeln pro Anlage und Jahr.An Glas­scheiben hingegen sterben europaweit nach Schätzungen 240.000 Vögel pro Tag, im Jahr wären das knapp 90 Mio. Tiere“, schreibt das Bundesamt für Naturschutz.

Der größte Vogel-Killer aller Zeiten ist jedoch die Hauskatze. Laut NABU fallen in Deutschland bis zu 200 Millionen Vögel jedes Jahr Katzen zum Opfer. Auch sterben viel mehr Vögel durch Vogelschlag im Straßenverkehr und entlang von Bahn- und Hochspannungstrassen, oder beispielsweise auch durch Agrargifte. Davon einmal abgesehen, gibt es aktuelle Studien, die belegen, dass insbesondere Regionen mit hoher Windrad-Dichte auch zur Erholung natürlicher Vogelbestände beitragen können.

So stellt sich in einer aktuellen Studie der Kreisverwaltung Rhein-Hunsrück-Kreis zum Beispiel folgendes heraus: Im Rhein-Hunsrück Kreis stehen mit 276 Windkraftanlagen besonders viele Anlagen, aber gleichzeitig wurden hochwertige Ausgleichsmaßnahmen durchgeführt, sodass sich bspw. der Bestand an Rotmilanen vergrößert hat und sich der Schwarzstorch zum ersten Mal wieder in der Region angesiedelt hat.

Fazit: Windkraft kann eine Gefahr für Vögel darstellen. Deshalb wird beim Bau von Windenergieanlagen vorab intensiv geprüft, abgewogen und entsprechend geplant, damit ausgleichende Artenschutzmaßnahmen bestmöglich greifen können. Fakt ist aber auch: Es sterben weitaus mehr Vögel an Vogelschlag, Katzen, Hochspannungsleitungen, etc…

Windkraft-Infraschall beeinträchtigt die Gesundheit der Tiere?

Tatsächlich senden Windkraftanlagen auch Infraschall aus. Wie gefährlich die niederfrequenten Schallwellen unterhalb der Hörgrenze für bestimmte Tierarten sind, ist noch nicht vollständig erforscht. Laut dem Kompetenzzentrum für Naturschutz und Energiewende ist jedoch nicht bekannt, dass z.B. Fledermäuse bzw. Fledermausquartiere negativ von Infraschall-Emissionen durch Windenergieanlagen betroffen sein könnten.

Eine Rückfrage bei mehreren Fledermaus-Experten ergab allerdings die Einschätzung, dass nach gegenwärtigem Kenntnisstand nicht von Beeinträchtigungen ausgegangen werden müsse. Es gäbe vielmehr Kenntnisse über langjährige Fledermausquartiere an Straßen- und Autobahnbrücken, die ebenfalls permanent Infraschall-Emissionen durch den Straßenverkehr ausgesetzt seien, ohne dass dies eine negative Entwicklung von Populationen oder gar einen Funktionsverlust der Quartiere zur Folge gehabt hätte.

Zudem dürften die Schallpegel bei den Brücken-Quartieren aufgrund der unmittelbaren Nähe zu den Schallquellen – zum Beispiel den Widerlagern der Brücken – deutlich höher liegen als bei Windenergieanlagen, deren Standorte in der Regel einen höheren Abstand zu bedeutsamen Quartieren aufweisen. Nochmal anders, verhält es sich bei Offshore-Windenergieanlagen, die im Küstenvorfeld der Meere errichtet werden. (Anm. der Red. Die Green City AG baut nur Onshore-Windenergieanlagen). Denn die lauten Arbeiten auf dem Meeresgrund für die Fundamente von Offshore-Anlagen, stellen für Meeressäuger wie Wale, Robben und Fische schon ein Problem dar. Technisch betrachtet, wurde das Problem jedoch inzwischen weitgehend gelöst: Ein Ring von kleinen Luftblasen, während dieser sogenannten Rammarbeiten, dämpft diesen Schall nun auf ein Zehntel. Wenn sie stehen, können Windparks im Meer sogar positiv für Meerestiere wirken. Denn diese Zonen eignen sich nicht mehr für die Schleppnetz-Fischerei, die Fischbestände können sich erholen. Zudem siedeln Muscheln an den Fundamenten.

Fazit: Es gibt keine wissenschaftlichen Erkenntnisse darüber, dass durch Onshore-Windenergieräder verursachter Infraschall ein ernstzunehmendes Problem für den Fortbestand von Arten darstellt.

Zusammengefasst kann man sagen:

Für das komplexe Thema Artenschutz & Windenergie gibt es keine einfachen Lösungen. Dennoch braucht es bei Themen, bei denen es keine einfachen Wahrheiten gibt, eine abwägende, differenzierte Debatte und kluge Analysen. Der Bau von Windkraftanlagen hinterlässt Spuren, ja. Aber angesichts des drohenden Artensterbens durch Folgen des Klimawandels, müssen wir abwägen, welcher Weg langfristig der umweltschonendere ist. „Wir werden beim Artenschutz Kompromisse eingehen müssen – was wir Menschen übrigens in anderen Bereichen, wie z.B. Verkehr, Gebäudebau und Stromleitungen, längst machen“, findet Dr. Stefan Holzheu, Wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität Bayreuth, der bereits in der Vergangenheit mit Untersuchungen und Interviews die gängigen Argumente von Windkraftgegnern auf deren Richtigkeit überprüft hat. Damit hat er wohl recht, denn Fakt ist: Egal, was wir Menschen tun, es wird immer Auswirkungen auf unsere Umwelt haben. Aber wir von der Erneuerbaren Energien-Projektplanung bei der Green City AG, werden alles Menschenmögliche tun, um den Impact für Tier & Umwelt dabei so gering, wie irgendwie möglich zu gestalten. Denn am Ende wollen wir alle das gleiche: Gemeinsam die Basis für eine lebenswerte Zukunft schaffen – für Mensch, Tier und Natur.

 

Photocredit: Sina Scherer (Green City AG), Azur Golic, Paige Cody (Unsplash)