WIRKUNGSGRAD: Keine Kohle für die Kohle

Heffa Schücking, die Gründerin von urgewald e.V. sprach am 25.10.2016 in der orange bar über Divestment und die gesellschaftliche Verantwortung von Kapital. Für ihre Arbeit wurde die Umweltaktivistin mit dem international renommierten Goldman Environment Prize ausgezeichet. Bei urgewald e.V. ist sie u.a. für die Kohle-Divestment-Strategie und –Kampagne zuständig. In ihrem kraftvollen Vortrag berichtet Schücking von den Erfolgen und Erfahrungen der internationalen Divestment-Bewegung. Die Veranstaltung im Rahmen der WIRKUNGSGRAD Themenreihe Klima & Energie fand in Kooperation mit dem oekom e.V. statt.

Kognitive Dissonanz im Bereich Klimaschutz

Was derzeit passiert, nennen Sozialwissenschaftler „kognitive Dissonanz“. Gemeint ist damit ein negativer Gefühlszustand, den wir verspüren, wenn wir unvereinbare Wahrnehmungen, Meinungen, Einstellungen, Wünsche oder Absichten haben. Auf dem letztjährigen G7-Gipfel wurde von der Dekarbonisierung der Wirtschaft gesprochen. Auf dem anschließenden Weltklimagipfel in Paris wurde dann bekanntlich das ambitionierte 2-Grad Ziel beschlossen. Trotzdem soll sich der Kohleabbau weltweit in den nächsten Jahren verdoppeln. Geldströme orientieren sich offenbar nicht daran, was politisch beschlossen wurde, obwohl Investitionsentscheidungen der kommenden 10 Jahre maßgeblich dazu beitragen, wie schlimm die Erderwärmung ausfallen wird.

Urgewald e.V. war mit ihrer Divestment-Kampagne die treibende Kraft hinter dem Kohle-Ausstieg des Allianz Konzerns im letzten Jahr und dem Rückzug des norwegischen-staatlichen Pensions-Fonds aus der Kohle. Mit diesen schlagkräftigen Kampagnen und Aktionen hat sich urgewald einen Namen gemacht und ist auf Hauptversammlungen großer Investoren gefürchtet.

Lesen Sie hier das Interview mit Heffa Schücking auf GREEN CITY LIFE.

Große Hebelwirkung

Kohle ist in Bezug auf Klimawandel ein Riese. Vom Investment-Standpunkt aus aber eher ein Zwerg. Sie ist der Brennstoff mit dem höchsten CO2 Ausstoß, hat aber die kleinste Marktkapitalisierung unter den Fossilen und damit eine große Hebelwirkung.

Sinnvolles Kohle-Divestment Model

Es bringt nichts nur die Bergbaufirmen an den Pranger zu stellen. Kohleabbau und Kohleverbrennung sind Teil der gleichen Industrie. Deshalb muss die ganze Wertschöpfungs-Kette dieses Sektors betrachtet werden: z.B. Kraftwerksbauer, Infrastruktur- und Transportunternehmen etc.

Urgewald e.V. schlägt dazu folgendes Kohle-Divestment Model vor:

Investoren sollten Firmen aus Ihrem Investment-Universum ausschließen wenn:

  • 30% ihrer Stromproduktion oder Einkünfte im Kohlesektor erzielt werden.
  • sie mehr als 20 Millionen Tonnen Kohle jährlich produzieren oder konsumieren.
  • sie signifikante Expansionspläne im Kohlesektor haben.

Das Problem ist nur, wie man diese Firmen erkennt. Als Lösung für die Divestment-Bewegung entwickelt urgewald derzeit die Global Coal Exit List.

Kritisch äußerte sich Schücking in den zahlreichen Publikumsfragen über den Ansatz, einzelne Kommunen aktiv zum Divestment aufzufordern. Natürlich sei das wichtig und eine gute Möglichkeit, Bürgerinnen und Bürger für das Thema zu sensibilisieren. Trotzdem entstehe die Front neuer Kohlekraftwerke gerade in Asien. Allein in Vietnam sind derzeit 50 neue CO2 Schleudern geplant oder bereits im Bau. Deshalb ist es besonders wichtig, auf die großen systemimmanenten Investoren & Banken mehr Druck aufzubauen.

Was passiert mit dem divestierten Kapital?

„Wir sind unbedingt dafür, das divestierte Kapital in Erneuerbare Energien zu invertieren.“ So beantwortete Schücking die letzte der zahlreichen Publikumsfragen.

Lesen Sie hier das Interview mit Heffa Schücking auf GREEN CITY LIFE.

Denn aufgezeichneten Vortrag können Sie zudem hier ansehen.